Der Koch und die Killerin

5 Jun

1996 bereicherte Patrick Leung, eifriger Schüler von John Woo (“City Wolf”), die Filmlandschaft mit einer Actionballade um eine melancholische Auftragskillerin und einen Koch. Der sehr viel passendere englische Titel “Beyond Hypothermia” (Jenseits des Kältetods) beschreibt eigentlich schon sehr genau die Gefühlslage, in der sich dieser Film bewegt: Die namenlose Killerin, deren Körpertemperatur etwas unter dem Normalwert liegt, kennt nur das Töten. Die nach jedem Auftrag folgende emotionale Leere stillt sie jedes mal bei dem selben Koch mit einer warmen Nudelsuppe. Es ist nur eine Frage der Zeit bis sich zwischen dem ungleichen Paar eine Liebesgeschichte zu entwickeln beginnt. Schließlich ist der Koch, der einzige Mensch, der die Körpertemperatur der unterkühlten Killerin noch steigern kann. Doch als der Bodyguard eines ihrer Opfer Rache schwört (er hat ja ziemlich in seinem Job versagt und das ist die einzige Möglichkeit die angeknackste Ehre zu retten) nimmt das Märchen eine grausame Wendung…

Da ich momentan sowieso weibliche Killerinnen sehr spannend finde (1Q84 von Haruki Murakami, meine momentane Gute-Nacht-Lektüre weist ebenfalls ein solches Exemplar auf), habe ich mich auf diesen Film besonnen, den ich irgendwann round about Mitternacht auf einem der Sender WDR/NDR/arte vor ein paar Jährchen gesehen habe. Ich war damals sehr beeindruckt, nicht nur von der Präzision der blutigen Actionszenen, sondern auch von der kühl-grausamen Ästhetik des Zusammenbrechens jeglicher Hoffnung. Das klingt schrecklich, doch gehört dies zu einem reifen Actionmärchen für Erwachsene. Schließlich bedeutet ein Märchen immer auch einen Tick Moral und so kann der unterkühlte Mensch, der seine Fassade fallen läßt – genauso wie bei meinem All-Time-Favourite “Léon, der Profi” – immer nur für seine Nachlässigkeit bestraft werden. Die größte Erfüllung muss für einen Menschen, der lange den falschen Weg gegangen ist, mit der größten Sühne enden. Obwohl man das weiß, folgt man dem Film geradezu atemlos bis zu dem unausweichlichen Finale. Und dies hat Patrick Leung wirklich toll hingekriegt.

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